Neue G 607 ab 2026: Tankgasflaschen im Wohnmobil einfach erklärt
Die neue G 607 sorgt momentan bei Wohnmobil- und Wohnwagenbesitzern für viele Fragen:
- Muss eine bestehende Tankflaschenanlage umgerüstet werden?
- Wo darf sich der Tankanschluss befinden?
- Ist eine Schnellkupplung vorgeschrieben?
- Gibt es Bestandsschutz für ältere Anlagen?
- Und gelten für CE-Tankflaschen und R67-Anlagen dieselben Regeln?
Auf dem Caravan Salon Düsseldorf 2026 haben wir uns deshalb gemeinsam mit Julian von GNS Reisemobiltechnik zusammengesetzt und die wichtigsten Punkte verständlich und praxisnah erklärt.
Unser Video zur neuen G 607
Im Video erklären Andrea und Menjan Wolf von der Gasfachfrau gemeinsam mit Julian von GNS Reisemobiltechnik, worauf Besitzer einer Tankflaschenanlage jetzt achten sollten.
Neue LPG-Regelungen 2026 für Wohnmobile und Wohnwagen – G 607 einfach erklärt
Dabei geht es nicht nur um Neuanlagen. Auch bereits vorhandene Einbauten können betroffen sein, wenn sie die aktuellen Anforderungen nicht erfüllen.
Was ist 2026 überhaupt neu?
Seit Juni 2026 liegt die neue Fassung des DVGW-Arbeitsblattes G 607 vor. Darin werden erstmals konkrete Anforderungen an Druckbehälter zur Selbstbefüllung, umgangssprachlich also Tankgasflaschen, festgelegt.
Wichtig ist die Unterscheidung:
Die neue Fassung der G 607 stammt aus dem Jahr 2026. Die gesetzliche Pflicht zur Gasprüfung besteht jedoch bereits seit dem 19. Juni 2025 über § 60 StVZO.
Wohnmobile und Wohnwagen mit einer fest verbauten Flüssiggasanlage müssen grundsätzlich alle zwei Jahre geprüft werden. Zusätzlich ist eine Prüfung vor der ersten Inbetriebnahme und nach prüfpflichtigen Änderungen erforderlich.
Die Gasprüfung ist dabei eine eigenständige Prüfung und nicht mehr Bestandteil der Hauptuntersuchung.
1. Der Tankanschluss muss wirklich außen liegen
Der wahrscheinlich wichtigste Punkt betrifft den Füllanschluss.
Der Tankwart beziehungsweise die tankende Person muss den Anschluss direkt von außen erreichen können. Muss zuerst eine Gaskastentür, Serviceklappe oder Fahrzeugtür geöffnet werden, handelt es sich nicht um einen Außenfüllanschluss.
Ein Außenfüllanschluss kann beispielsweise montiert werden:
- in der Außenwand
- in der Stoßstange oder Heckschürze
- außen auf der Gaskastentür
- an einem geeigneten Haltewinkel
- unterhalb des Fahrzeugs
Ein großes Loch in der Seitenwand ist deshalb nicht grundsätzlich notwendig. Je nach Fahrzeug lässt sich der Tankanschluss auch über vorhandene Öffnungen nach unten führen oder außen auf der Gaskastentür befestigen.
Bei der Positionierung müssen außerdem die vorgeschriebenen Abstände zu Fenstern, Lüftungsöffnungen des Wohnraums und Abgasaustritten beachtet werden.
2. Die Tankflasche muss korrekt und dennoch werkzeuglos befestigt sein
Eine Tankgasflasche muss während der Fahrt zuverlässig gegen Verrutschen gesichert werden. Gleichzeitig soll sich die Befestigung ohne Werkzeug lösen lassen.
Dafür eignen sich beispielsweise:
- Flügelschrauben
- Sterngriffschrauben
- geeignete Schnellverschlüsse
- dafür vorgesehene Wandhalter und Befestigungssysteme
Normale Schrauben, für die Werkzeug benötigt wird, erfüllen diese Anforderung nicht. Kabelbinder sind ebenfalls keine geeignete dauerhafte Befestigung. Leitungen und Schläuche müssen mit passenden Schellen oder dafür vorgesehenen Haltern befestigt werden.
3. Zwischen Tankflasche und Anlage ist eine Sicherheitskupplung erforderlich
Bei CE-Tankflaschen muss die Verbindung so ausgeführt sein, dass die Flasche bei Bedarf werkzeuglos von der Anlage getrennt werden kann.
Hierfür wird eine geeignete Sicherheits- beziehungsweise Schnellkupplung verwendet.
Auch für die Füllleitung gelten klare Anforderungen:
- Der Füllschlauch darf nicht durch den Wohnraum geführt werden.
- Die Leitung muss fachgerecht befestigt und vor Beschädigungen geschützt sein.
- Der Füllanschluss muss außen am Fahrzeug enden.
Gerade bei Kastenwagen oder innen liegenden Gaskästen muss deshalb genau geprüft werden, wie die Füllleitung nach außen geführt werden kann.
4. CE-Tankflasche und R67-Anlage sind nicht dasselbe
Dieser Unterschied ist besonders wichtig.
Die im Video erklärten Umrüstpunkte betreffen Druckbehälter zur Selbstbefüllung mit CE-Kennzeichnung, beispielsweise entsprechende ALUGAS-TRAVELMate-Tankflaschen.
Fest verbaute Anlagen beziehungsweise Behälter mit ECE-R67-Genehmigung unterliegen anderen Anforderungen. Hier können unter anderem eine feste Befestigung, eine Abnahme und eine Eintragung in die Fahrzeugpapiere erforderlich sein.
Eine CE-Tankflasche darf deshalb nicht einfach nach den Vorgaben einer R67-Anlage beurteilt werden – und umgekehrt.
5. Gibt es Bestandsschutz für ältere Anlagen?
Einen pauschalen Bestandsschutz gibt es nicht allein deshalb, weil eine Tankflaschenanlage bereits vor einigen Jahren eingebaut wurde.
Entscheidend ist, ob die Anlage bei der nächsten Gasprüfung die aktuellen Anforderungen erfüllt. Ist das nicht der Fall, müssen die betreffenden Punkte entsprechend angepasst werden.
Das bedeutet jedoch nicht, dass automatisch die gesamte Anlage erneuert werden muss. Häufig reichen einzelne Änderungen aus, beispielsweise:
- den vorhandenen Tankanschluss nach außen zu versetzen
- eine Schnellkupplung nachzurüsten
- normale Schrauben durch Flügel- oder Sterngriffschrauben zu ersetzen
- die Befestigung der Tankflasche anzupassen
- Leitungen mit geeigneten Schellen zu sichern
Welche Maßnahmen tatsächlich notwendig sind, hängt immer vom Fahrzeug und vom vorhandenen Einbau ab.
Was tun, wenn der Prüfer die neuen Vorgaben noch nicht kennt?
Die neue Fassung wurde erst im Juni 2026 veröffentlicht. Deshalb kann es momentan noch vorkommen, dass einzelne Prüfstellen oder Sachkundige unterschiedliche Informationen haben.
In einem solchen Fall empfehlen wir, nicht ausschließlich mit Aussagen aus Foren oder sozialen Netzwerken zu argumentieren. Sachkundige können sich direkt an ihren Schulungsträger beziehungsweise an den Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik oder den Flüssiggas Verband wenden.
Unsere ausführlichen Anleitungen
Da jedes Fahrzeug anders aufgebaut ist, haben wir die wichtigsten Fragen bereits in zwei ausführlichen Beiträgen beantwortet:
So rüstest Du Dein Wohnmobil nach der neuen G 607 richtig um
Neue ALUGAS TRAVELMate 2026 – alle wichtigen Änderungen auf einen Blick
Bitte schaut euch zuerst das Video und die beiden Anleitungen an. Sollte eure Frage dort noch nicht beantwortet werden, könnt ihr uns gerne eine Nachricht schicken. Hilfreich sind dabei Fotos vom Gaskasten, Tankanschluss, der Befestigung und der vorhandenen Schlauchführung.
Unser Fazit
Die neuen Anforderungen klingen zunächst komplizierter, als sie in der Praxis meistens sind.
Bei vielen bestehenden Anlagen müssen lediglich einzelne Komponenten angepasst werden. Der wichtigste Merksatz lautet:
Muss zum Tanken zuerst eine Tür oder Klappe geöffnet werden, handelt es sich nicht um einen echten Außenfüllanschluss.
Mit der richtigen Befestigung, einer geeigneten Schnellkupplung und einem korrekt montierten Außenfüllanschluss lassen sich viele bestehende Anlagen mit überschaubarem Aufwand anpassen.